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Ustascha
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Die Ustascha (vollstĂ€ndig kroatisch , kurz UHRO; d. h. Der AufstĂ€ndische – Kroatische revolutionĂ€re Organisation) war ein im Jahr 1930cite-ref-2[2] gegrĂŒndeter ultranationalistisch-terroristischer Geheimbund, der fĂŒr ein von Jugoslawien unabhĂ€ngiges Großkroatien kĂ€mpfte und sich zu einer faschistischencite-ref-3[3] Bewegung entwickelte. Die Ustascha errichtete in dem von 1941 bis 1945 bestehenden UnabhĂ€ngigen Staat Kroatien, der sich de jure im Wesentlichen auf das Gebiet des heutigen Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina erstreckte, eine totalitĂ€re Diktatur, die fĂŒr den Völkermord an Serben, Juden und Roma sowie die Ermordung zahlreicher politischer Oppositioneller und Regimegegner verantwortlich war. Dies sowie ihre zĂŒgellose Tyrannei stießen bei einem zunehmend großen Teil der Bevölkerung auf Ablehnung.cite-ref-4[4]

Die Ustascha wurde als Reaktion auf die 1929 errichtete jugoslawische Königsdiktatur von Alexander I. (1888–1934) durch Ante Pavelić (1889–1959) gegrĂŒndet und gefĂŒhrt. Der Name UstaĆĄa (Plural ) fĂŒr das einzelne Mitglied wie fĂŒr die gesamte Organisation wurde in Erinnerung an den bewaffneten Aufstand von Rakovica unter Eugen Kvaternik gewĂ€hlt, mit dem 1871 ein von Österreich-Ungarn unabhĂ€ngiges Kroatien erkĂ€mpft werden sollte.cite-ref-5[5] Die Struktur und Rituale der im Exil in Italien gegrĂŒndeten Ustascha waren zunĂ€chst vergleichbar mit denen anderer national-terroristischer GeheimbĂŒnde in SĂŒdosteuropa, wie der serbischen Schwarzen Hand oder der bulgarisch-makedonischen IMRO. Nach dem misslungenen Velebiter Aufstand im Jahr 1932 gelang der Ustascha, gemeinsam mit der IMRO, im Jahr 1934 das Selbstmordattentat auf den jugoslawischen König Alexander I. Bis die Ustascha im April 1941 durch UnterstĂŒtzung der AchsenmĂ€chte unerwartet die Macht in einem neugegrĂŒndeten Vasallenstaat ĂŒbernehmen konnte, befanden sich ihre StĂŒtzpunkte und Ausbildungslager, in denen zuletzt bis zu 300 Personen untergebracht waren, vor allem in Ungarn und Italien. Die Ustascha entwickelte sich nie zu einer Massenbewegung, sondern wurde in den 1930er-Jahren von höchstens 10 % der Bevölkerung unterstĂŒtzt. Trotz einer anfĂ€nglich breiten Schicht von Sympathisanten und Opportunisten betrug die Zahl der formell aufgenommenen Mitglieder in der Heimat und im Exil bis 1941 vermutlich nie mehr als 3000 bis 4000, maximal 10.000cite-ref-6[6], die sich aus Studenten, Professoren, Schriftstellern, Juristen, ehemaligen k. u. k. Offizieren, Mitgliedern katholischer Vereinigungen und Angehörigen sozialer Randgruppen rekrutierten.cite-ref-7[7]

Da der Katholizismus wesentliches Abgrenzungsmerkmal der Kroaten gegenĂŒber anderen Ethnien war, wurde dieser von der Ustascha entsprechend instrumentalisiert. Das VerhĂ€ltnis der katholischen Kirche zur Ustascha war ambivalent. Viele katholische Geistliche sympathisierten mit der grundlegenden Idee eines kroatischen Staates. Die nationalistisch eingestellten Kleriker kooperierten mit der Ustascha, waren jedoch die Minderheit, und einige Geistliche protestierten gegen deren Verbrechen.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Aufgrund der Instrumentalisierung der Religion durch die Ustascha und der Beteiligung von Vertretern des katholischen Klerus bei Aufbau, Organisation und FĂŒhrung des faschistischen Ustascha-Regimes wird die Ustascha-Diktatur von einigen Historikern dem Klerikalfaschismus zugeordnet.cite-ref-11[11]

Contents

‱ Symbole
‱ Emblem
‱ Hymne
‱ Muslime
‱ Literatur
‱ Monographien
‱ Weblinks

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Vorgeschichte

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges mit dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie vereinigten sich dessen sĂŒdlich gelegene Staaten (Slowenien, Kroatien und Bosnien und Herzegowina) zusammen mit Serbien zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dem spĂ€teren Königreich Jugoslawien. Die Ustascha-Bewegung bildete sich aus Gruppierungen, die in den 1920er Jahren den rechten Rand der kroatischen Opposition gegen die zentralistische und serbisch-hegemoniale Staatsordnung des Königreiches gebildet hatte.

Deren wichtigste war die Hrvatska stranka prava, die aus dem rechten, strikt antijugoslawischen FlĂŒgel der gleichnamigen Ă€lteren Partei entstanden war. Zu den fĂŒhrenden Mitgliedern dieser Partei gehörte zu jener Zeit auch der spĂ€tere Ustascha-FĂŒhrer und Jurist Ante Pavelić. GrĂ¶ĂŸeren Einfluss konnten diese und Ă€hnliche Gruppierungen jedoch zunĂ€chst nicht erlangen. Die dominierende politische Kraft in Kroatien war und blieb zu dieser Zeit die Kroatische Bauernpartei unter FĂŒhrung von Stjepan Radić.

Entstehung, GrĂŒndung

Ende Oktober 1928 grĂŒndete Ante Pavelić die illegale VorlĂ€uferorganisation Hrvatski domobran (Der kroatische Verteidiger). Er konnte sich dabei auf antijugoslawische, revanchistische und irredentistische KrĂ€fte in Italien, Ungarn und Bulgarien stĂŒtzen, außerdem auf legitimistische Kreise in Österreich und die revanchistische Bewegung in Deutschland verlassen.cite-ref-12[12] WĂ€hrend einer Staatskrise, die auf die Ermordung des kroatischen Demokraten Stjepan Radić in Belgrad durch PuniĆĄa Račić folgte, fĂŒhrte König Alexander I. am 6. Januar 1929 einen Staatsstreich durch. Er löste das Parlament auf, suspendierte die Verfassung von 1921 und proklamierte eine Königsdiktatur, die auch die bisherigen nationalen Symbole verbot. Einen Tag spĂ€ter emigrierte Pavelić nach Italien, wo er Emigranten der Ustascha-Bewegung um sich sammelte und sie zu einer Terrororganisation formte. In Zentren und Camps in Ungarn, Italien und Österreich wurden die AnhĂ€nger fĂŒr terroristische und subversive Aktionen trainiert. Im Asyl schrieb Pavelić ein Programm der Ustascha, die „Statuten“ (1932) und die „Prinzipien“, 1941 erweitert.

Die Ustascha verstand sich als kroatische UnabhĂ€ngigkeitsbewegung gegen die serbische Hegemonie in Jugoslawien und fĂŒr die Entwicklung zu einem Großkroatien unter dem Einschluss von Bosnien, Herzegowina und Syrmien. Die serbische Bevölkerung sollte zĂŒgig eliminiert werden. Die Ustascha entwickelte sich zu einer faschistischen Bewegung, die sich an den Vorbildern Mussolini und Hitler orientierte. In den Jahren 1929 bis 1934 wurde sie vom faschistischen Regime Mussolinis aktiv unterstĂŒtzt, um den Staat Jugoslawien, welcher einer italienischen Vorherrschaft an der Adria und auf dem Balkan im Wege stand, zu destabilisieren.

Obwohl ihre AnhĂ€nger in Jugoslawien nicht sehr zahlreich waren, unterwanderten sie die Kroatische Bauernpartei und unternahmen intensive Anstrengungen, um deren rechtsgerichtete und separatistische KrĂ€fte auszubauen. Einige ihrer geheimen Basen im Land waren katholische Konvente und Seminare. Die Regierung reagierte auf die AktivitĂ€ten der Ustascha mit der gewaltsamen UnterdrĂŒckung jedes potentiellen Widerstandes. Dabei wurden auch mehrere nicht an den terroristischen AktivitĂ€ten beteiligte Oppositionelle, unter anderem Milan Ć ufflay, von Agenten des jugoslawischen Geheimdienstes ermordet, was internationale Proteste nach sich zog.

Siehe auch

:

Kroatien im Königreich Jugoslawien

Zielsetzung

Das selbstgesetzte Ziel der Ustascha war „die Wiederherstellung des freien und unabhĂ€ngigen kroatischen Staates auf dem gesamten historischen und ethnisch geschlossenen Gebiet des kroatischen Volkes.“cite-ref-13[13] Dieses Ziel war „mit allen Mitteln, ja sogar im bewaffneten Aufstand zu erreichen“.cite-ref-14[14]

Unter dem „Gebiet des kroatischen Volkes“ wurde folgendes verstanden:

„TatsĂ€chlich besteht Kroatien nicht nur aus dem kleinen Gebiet des bis 1918 autonomen Banal-Kroatiens (mit Slawonien und Syrmien) [
], sondern aus allen seinen historischen Bestandteilen: Banal-Kroatien, Dalmatien und Bosnien-Herzegowina.“cite-ref-15[15]

Nach der Verwirklichung des Zieles wollte „die Ustaschen-Bewegung mit allen Mitteln die staatliche SelbststĂ€ndigkeit und die völkische Besonderheit des kroatischen Volkes schĂŒtzen und dafĂŒr kĂ€mpfen, dass im kroatischen Staate nur das kroatische Volk herrscht, dass es der Alleinherrscher ĂŒber alle materiellen und geistigen GĂŒter in seinem Land bleibt, das fortschrittlich und gerecht, im Geiste der Ustaschen-Prinzipien gelenkt wird.“cite-ref-16[16]

Als Gegner dieser Zielsetzung und als Feinde sah die Ustascha:

‱ die serbische Staatsgewalt
‱ die internationale Freimaurerei
‱ das Judentum
‱ den Kommunismus.cite-ref-17[17]

Organisation

Die Organisation der Ustascha gliederte sich in

‱ „Roj“, die Ustascha in einem Ort
‱ „Tabor“, alle Roj auf dem Gebiet der Gemeinde
‱ „Logor“, alle Tabor eines Bezirkes
‱ „StoĆŸer“, alle Logor auf dem Gebiet einer Gespanschaft

Weiterhin gab es fĂŒr die gesamte Studentenschaft ein „HochschulstoĆŸer“, das unmittelbar dem Hauptquartier unterstand.cite-ref-18[18]

Vor dem Jahr 1941 gab es im Exil neunzehn „StoĆŸer“ auf dem Gebiet des vorgesehenen „Großkroatiens“. Aufgrund der zahlreichen Auslandskroaten, gab es zudem drei „StoĆŸer“ in Europa sowie Nord- und SĂŒdamerika.cite-ref-19[19]

Über allem stand das „Hauptquartier der Ustaschen, das jede TĂ€tigkeit, welche sich auf die gesamte Bewegung und den Freiheitskampf bezieht, leitet.“ Das Hauptquartier bestand aus dem Rat der Doglavniks und aus dem Adjutantenstab. Die höchstens zwölf Doglavniks und die Hauptadjutanten ernannte und enthob der Poglavnik.cite-ref-20[20]

Nach Bildung des UnabhĂ€ngigen Staates Kroatien wurde nach dem Vorbild der Hitlerjugend die UstaĆĄka mladeĆŸ (Ustascha-Jugend) gebildet. Deren Untergruppen waren UstaĆĄka uzdanica (Ustascha-Hoffnung) fĂŒr GrundschĂŒler vom 7. bis 11. Lebensjahr, UstaĆĄki junaci bzw. junakinje (Ustascha-Helden) vom 11. bis 15. Lebensjahr sowie die UstaĆĄka Starčević mladeĆŸ (Ustascha-Starčević-Jugend) vom 15. bis 21. Lebensjahr.cite-ref-21[21]

Ustascha konnte jeder Kroate werden, der „fĂŒr den Ustaschen-Kampf fĂ€hig und den Ustaschen-Prinzipien [
] ergeben ist.“cite-ref-22[22] Die Pflichten eines Ustascha waren die Ablegung des Ustaschen-Eides und die unerlĂ€ssliche AusfĂŒhrung aller Arbeit, aller Pflichten, aller Befehle und Bestimmungen sowie ein unbeirrbares VerantwortungsgefĂŒhl.cite-ref-23[23]

Der Eid war vor einem Kruzifix, einem Messer und einer Pistole abzulegen und lautete:

„Ich schwöre bei Gott dem AllmĂ€chtigen und allem, was mir heilig ist, daß ich mich an die Prinzipien der Ustaschen halten, alle Vorschriften befolgen und alle Befehle des Poglavnik ausfĂŒhren werde, daß ich jedes mir anvertraute Geheimnis aufs strengste bewahren und niemandem etwas verraten werde. Ich schwöre, daß ich in den Reihen der Ustaschen fĂŒr die SelbststĂ€ndigkeit des Staates Kroatien kĂ€mpfen und alles tun werde, was der Poglavnik mir befiehlt. Ich schwöre, daß ich die einmal erkĂ€mpfte kroatische SelbststĂ€ndigkeit und die kroatische völkische Freiheit in den Reihen der Ustaschen schĂŒtzen und bewahren werde. Wenn ich mich, der vollen Verantwortung fĂŒr meine Taten und Unterlassungen bewußt, gegen diesen Schwur vergehe, habe ich nach den Regeln der Ustaschen mit dem Tode bestraft zu werden. So wahr mir Gott helfe! Amen!“cite-ref-24[24]

Symbole

Emblem

Das Emblem der Ustascha war der blaue Großbuchstabe „U“ mit Serifen, der eine silberfarbene, rot flammende Granate beinhaltet. Auf der Granate war zudem das historische rot-silbern geschachte Wappenschild Kroatiens, mit einem ersten silbernen Feld, abgebildet. Die Farbgebung des Emblems spiegelte die kroatischen Nationalfarben rot-weiß-blau wider.cite-ref-25[25]

Das „U“ stand fĂŒr die Initiale des Wortes UstaĆĄa. Die Granate sollte den kĂ€mpferisch-revolutionĂ€ren und elitĂ€ren Charakter unterstreichen; entlehnt den revolutionĂ€ren Traditionen Italiens und Frankreichs. Dort war die Granate zunĂ€chst Symbol der Grenadiere (im 17. und 18. Jahrhundert eine Eliteeinheit der Infanterie) und findet noch heute bei MilitĂ€reinheiten Verwendung (z. B. Carabinieri, Fremdenlegion). Die Variante des historischen kroatischen Wappenschildes mit einem ersten silbernen Feld wurde vermutlich gewĂ€hlt, um es von dem im königlich-jugoslawischen Wappen enthaltenen kroatischen Wappen mit einem ersten roten Feld abzugrenzen.cite-ref-26[26]

Die erste schematische Verwendung des Ustascha-Emblems findet sich im Logo der Organisationszeitung „Ustaơa: Vijesnik hrvatskih revolucionaraca“ vom Mai 1930.cite-ref-27[27]cite-ref-28[28] Die erstmalige Darstellung des grafisch ausgereiften Emblems findet sich im Jahr 1932 ebenfalls im Logo der Zeitung „Ustaơa“cite-ref-29[29]cite-ref-30[30] und vor allem auf dem Titelblatt der „Verfassung der Ustaschen-Bewegung“.

Im Jahr 1934 gab das Ustascha-Hauptquartier im Exil eine 5-Kuna-ProbemĂŒnzecite-ref-31[31] sowie zwei in Bergamo gedruckte Briefmarkencite-ref-32[32] heraus, die ebenfalls genau dieses Emblem der Ustascha zeigen.

Nach der Zerschlagung Jugoslawiens ĂŒberschritt eine etwa 300 Mann starke bewaffnete Ustascha-Miliz, mit diesem Emblem an der UniformmĂŒtze von Italien aus die Grenze und paradierten in Zagreb vor Pavelić.cite-ref-33[33]

Der UnabhĂ€ngige Staat Kroatien benutzte als Staatssymbol das historische Wappen Kroatiens mit dem darĂŒbergestellten Großbuchstaben „U“ im Kroatischen Flechtwerk.cite-ref-34[34] Bei diesem Staatswappen hatte man das „U“ bewusst in den Hintergrund treten lassen, das heißt verkleinert ĂŒber das Wappen gesetzt, um der Mehrheit der Bevölkerung, die keine Ustaschen waren, sich aber als Kroaten verstanden, die Identifikation mit dem Staat zu erleichtern.

Die Àlteste bekannte Darstellung des kroatischen Wappens in Innsbruck ist aus dem Jahr 1495.cite-ref-35[35] Aufgrund der Verwendung durch die Ustascha wird heute das historische kroatische Wappen mit einem ersten silbernen Feld als Ausweis einer rechtsradikalen politischen Orientierung verwendet und wahrgenommen.cite-ref-36[36]

Viele Sympathisanten der Ustascha und ihrer Ideologie verwenden heute hĂ€ufig auch stark vereinfachte Varianten des Emblems bzw. des Staatswappens (z. B. ein „U“ mit Wappen, ein „U“ mit Kreuz usw.).

Die staatliche Jugendorganisation UstaĆĄka mladeĆŸ hatte ein eigenes Symbol, das in unterschiedlichen farblichen Varianten verwendet wurde.cite-ref-37[37]

Grußformel

→

Hauptartikel

:

Za dom spremni

Die Grußformel der Ustascha lautete Za dom spremni (FĂŒr die Heimat bereit) und wurde spĂ€testens ab der AnnĂ€herung an das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland mit erhobenem rechten Arm ausgesprochen. Es findet sich auf parteiinternen und auch auf staatlichen SchriftstĂŒcken als abschließende Grußformel (z. B. bei Ordensverleihungen).

Hymne

Die Hymne der Ustascha (kroatisch Ustaơka Himna) mit dem Titel „Puơka puca“ (auf Deutsch „Die Gewehre feuern“) wurde von Ante Pavelić selbst getextet und im Stil eines Marschliedes vertont.

Einordnung der Ideologie

Die Ustascha war ihrer Konzeption nach ein autoritĂ€res und totalitĂ€res Regime und wird grundsĂ€tzlich als faschistisch charakterisiert. Jedoch gibt es einige Merkmale, die sich vom Faschismus unterscheiden, obwohl viele Mittel und Merkmale mit diesem ĂŒbereinstimmen. Die Ustascha bediente sich ideologisch an Elementen der damals modernen Staatssysteme des italienischen Faschismus und des Nationalsozialismus. Diese Elemente umfassten auch den Antisemitismus, Antikommunismus und Rassismus. Jedoch waren die Staatssysteme in Italien und Deutschland auch eine politisch-soziale Antwort auf innerstaatliche Probleme im jeweiligen Land. Die Ustascha jedoch hatte zunĂ€chst keinen Staat und kein Sozialprogramm. Der Kern ihrer Ideologie konzentrierte sich auf die Schaffung eines kroatischen Nationalstaates. Damit verbunden war eine starke Antipathie gegen die serbische Bevölkerung und den serbisch dominierten Staat Jugoslawien. So wurde das ideologische Fundament der Ustascha-Bewegung aus Serbenhass, Antikommunismus und Antisemitismus gebildet.cite-ref-holm-s-40-0[40]

In jĂŒngerer Zeit ĂŒberwiegt unter Forschern des Faschismus die Tendenz, die Ustascha als faschistische Bewegung einzustufen. Dies deckt sich auch mit ihrem Selbstbild als faschistische Bewegung. DarĂŒber hinaus sind Klassifizierungen wie klerikal- und halbfaschistisch verbreitet.cite-ref-41[41] Stanley Payne bezeichnet die Ustascha-Bewegung in ihren ersten Jahren als eine Terroristen- und AufstĂ€ndischenorganisation, welche allenfalls protofaschistisch war und von Pavelić erst ab 1936 zu einer offenen faschistischen und antisemitischen Position gefĂŒhrt wurde. Allerdings zweifelt Payne daran, ob sie je ĂŒber den Status von Protofaschisten hinauskamen:cite-ref-42[42]

„Das mörderische Wesen der UstaĆĄi qualifizierte sie nicht fĂŒr eine Einstufung als generische Faschisten, denn bei der großen Mehrheit der Bewegungen und Regimes dieses Jahrhunderts, die in erheblichem Umfang Morde begangen haben, handelte es sich entweder um Marxisten-Leninisten oder um nichtfaschistische Nationalisten. Ihre entsetzliche Besonderheit war es, dass sie die FĂŒhrer des einzigen Regimes im besetzen Europa wurden, das es in puncto Massenmord mit den Nazis aufnehmen konnte.“

–

Stanley Payne

Auch Ladislaus Hory und Martin Broszat halten es fĂŒr angebracht, die Ustascha-Bewegung wegen ihres weniger ideologischen Charakters als „prĂ€faschistisch“ oder „halbfaschistisch“ zu bezeichnen, so unbefriedigend diese Begriffe bleiben.cite-ref-44[44] Dieser Ansicht schließt sich auch Arnd BauerkĂ€mper an.cite-ref-45[45]

Die Ustascha haben sich nie zu einer Massenbewegung entwickelt wie die Entsprechungen in Deutschland und Italien, sondern wurden in den 30er Jahren von höchstens 10 % der Bevölkerung unterstĂŒtzt und trotz einer anfĂ€nglich breiten Schicht von Sympathisanten und Opportunisten dĂŒrfte die Zahl der vereidigten Mitglieder bis 1941 nie 3000–4000 Personen ĂŒberschritten haben. Ihre zĂŒgellose WillkĂŒrherrschaft und ihr ethnischer Vernichtungsfeldzug gegen Serben und Juden stießen bei einem zunehmend großen Teil der Bevölkerung auf Ablehnung.cite-ref-46[46] Die historischen Wurzeln sind vor allem bei Ante Starčević zu finden, der ein vehementer BefĂŒrworter der kroatischen UnabhĂ€ngigkeit war, was sich zum Beispiel im wesentlichen Teil des Ustaschaschwurs widerspiegelt. Da auch Religion bzw. die katholische Konfession wesentliches Abgrenzungsmerkmal gegenĂŒber den Serben war, wurde diese von der Ustaschabewegung entsprechend instrumentalisiert.

Attentat auf Alexander I.

Nach dem Velebiter Aufstand 1932 war der vorlĂ€ufige Höhepunkt der Ustascha-AktivitĂ€ten die, gemeinsam in enger Kooperation mit mazedonischen Nationalisten der IMRO, durchgefĂŒhrte Ermordung des jugoslawischen Königs Alexander I. und des französischen Außenministers Louis Barthou durch Wlado Tschernosemski in Marseille im Jahre 1934.

Nachdem die TĂ€terschaft bekannt geworden war und zu einer Krise in den französisch-italienischen Beziehungen gefĂŒhrt hatte, wurde Pavelić von Mussolini unter Hausarrest gestellt und gezwungen, seine Terrorkampagne vorlĂ€ufig einzustellen. Die Ustascha verlagerte daraufhin den Schwerpunkt ihrer AktivitĂ€ten auf den Aufbau von UnterstĂŒtzergruppen unter kroatischen Emigranten und wartete eine Gelegenheit ab, mit deutscher oder italienischer Hilfe die Macht zu ergreifen.

Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges etablierten die Ustascha eine „Ustaschaarmee“ mit mehreren Hundert ihrer AnhĂ€nger in der Toskana.cite-ref-47[47] Sie begab sich zur italienisch-jugoslawischen Grenze. Eine deutsche Ustascha-Gruppe hatte in Österreich eine „Kroatische Legion“ aufgestellt, wĂ€hrend sie ihre antijugoslawische Propaganda intensivierte.

Zweiter Weltkrieg

Der Balkanfeldzug mit dem Angriff der AchsenmĂ€chte fĂŒhrte zwischen dem 6. und 17. April 1941 zur Besetzung und Zerschlagung Jugoslawiens durch deutsche, italienische, ungarische und bulgarische Truppen. Am 10. April proklamierte Oberst Slavko Kvaternik vor der vollstĂ€ndigen Besetzung unter dem Schutz und mit der UnterstĂŒtzung der deutschen Nationalsozialisten den UnabhĂ€ngigen Staat Kroatien (kroat.: Nezavisna DrĆŸava Hrvatska). Hitler bot zuerst dem FĂŒhrer der Kroatischen Bauernpartei, Maček, die FĂŒhrung des Staates an, der lehnte dieses Angebot ab. Am 15. April ĂŒbernahm Ante Pavelić die Macht.

Der Ustascha-Staat blieb bis 1945 ein treuer VerbĂŒndeter des Deutschen Reiches und entsandte auch Truppen zur UnterstĂŒtzung des deutschen Feldzuges gegen die Sowjetunion. MilitĂ€risch war er jedoch hauptsĂ€chlich auf dem jugoslawischen Kriegsschauplatz mit dem Kampf gegen die von Tito angefĂŒhrten Partisanen und gegen die Tschetniks (Serbische Nationalmonarchistische Bewegung) beschĂ€ftigt.

Der NDH-Innenminister Mladen Lorković und der Verteidigungsminister Ante Vokić nahmen in den Jahren 1943/1944 Kontakt zu den Alliierten auf und versuchten den Sturz des Pavelić-Regimes herbeizufĂŒhren. Dieser Putschversuch wurde jedoch entdeckt, die Beteiligten verhaftet und im Sommer 1944 hingerichtet.

Die bekannteste Einheit der Ustascha war die Schwarze Legion (Crna Legija) unter dem Kommando von Oberst Jure Francetić.

Staatsordnung des „UnabhĂ€ngigen Staates Kroatien“

Das Territorium des UnabhĂ€ngigen Staates Kroatien umfasste auch ganz Bosnien-Herzegowina und Syrmien, die von der Ustascha als „historisch-kroatische LĂ€nder“ beansprucht wurden; große Teile des von Kroaten und Serben bewohnten Dalmatiens mit knapp 380.000 Menschen, den Gorski Kotar musste er hingegen an das irredentistische Italien, das Medjimurje an Ungarn abtreten. Nach dem Sturz Mussolinis am 3. September 1943 gliederte Pavelić die an Italien gegangenen Gebiete in den UnabhĂ€ngigen Staat Kroatien ein.

Der UnabhĂ€ngige Staat Kroatien wurde als FĂŒhrerstaat nach dem Vorbild seiner faschistischen VerbĂŒndeten organisiert. Pavelić ĂŒbernahm unter dem Titel Poglavnik (wörtlich so viel wie Oberhaupt) die Rolle des FĂŒhrers, die Ustascha-Bewegung (UstaĆĄki pokret) wurde zur Einheitspartei und parallel zur Aufstellung einer auf Wehrpflicht basierenden regulĂ€ren Armee (an deren politischer VerlĂ€sslichkeit Zweifel bestanden) wurde nach dem Vorbild der SS die Ustascha-Miliz (UstaĆĄka vojnica) als PrĂ€torianergarde des Regimes gebildet.

Demokratische Wahlen, die das Ustaƥa-Regime durch das kroatische Volk legitimiert hÀtten, wurden nicht abgehalten.

Deutsche und italienische Besatzungstruppen blieben auf seinem Gebiet prĂ€sent und operierten oft auch ohne RĂŒcksicht auf die „Staatsorgane“ des offiziell unabhĂ€ngigen Marionettenstaates. Die EnttĂ€uschung ĂŒber die Ustascha in der Bevölkerung war sehr groß und der RĂŒckhalt nahm schon nach wenigen Monaten rapide ab. Auch der Erzbischof von Zagreb, Alojzije Stepinac, distanzierte sich zunehmend von der Pavelić-Regierung und kritisierte verschiedentlich deren Vorgehen gegen die Minderheiten.

Völkermord

→

Hauptartikel

:

Völkermord an den Serben im UnabhÀngigen Staat Kroatien

,

Völkermord an den Roma im UnabhÀngigen Staat Kroatien

und

Holocaust im UnabhÀngigen Staat Kroatien

Die Rassengesetze des UnabhĂ€ngigen Staates Kroatien wurden nach dem Vorbild der NĂŒrnberger Gesetze erlassen. Sie richteten sich vorwiegend gegen Serben, aber auch gegen Juden und Roma, die kollektiv zu Feinden des kroatischen Volkes erklĂ€rt wurden.

Serben, Juden, Roma und kroatische Antifaschisten wurden in Konzentrationslagern, deren grĂ¶ĂŸtes das KZ Jasenovac war, eingesperrt und vor allem von der Ustascha-Miliz auf zumeist brutalste Weise ermordet. Die zahlenmĂ€ĂŸig stĂ€rkste Gruppe unter den Opfern stellten dabei die Serben dar. Der deutsche Historiker Holm Sundhaussen dazu: „Wie Hitler ein ‚judenfreies‘ Europa anstrebte, so strebte Pavelić ein ‚serbenfreies‘ Kroatien an.“cite-ref-48[48] Berichten zufolge waren bereits in den ersten 4 Monaten der Ustascha-Herrschaft ca. 200.000 Serben ermordetcite-ref-ldv-49-0[49] und 104.000 in das deutsche Besatzungsgebiet nach Serbien deportiert worden.cite-ref-50[50]cite-ref-51[51]

Bei dem angeblichen Zitat, welches die Vorgehensweise der Ustascha zur Zielerreichung eines serbenfreien Kroatiens beschreiben soll,

„Ein Drittel der Serben werden wir töten, ein anderes Drittel deportieren und das letzte Drittel werden wir in die Arme der römisch-katholischen Religion zwingen und sie so zu Kroaten machen“

welches meist dem Minister des Ustasche-Regimes Mile Budak, aber auch Mirko Puk und Milovan Ćœanić zugeschrieben wird, handelt es sich jedoch um serbische Kriegspropaganda. Orthodoxe Geistliche spielten diese angeblichen Äußerungen den deutschen Dienststellen zu, sodass sie ohne schriftlichen Nachweis in Dokumente deutscher Herkunft ĂŒbernommen wurden.cite-ref-52[52]cite-ref-53[53]cite-ref-54[54]cite-ref-55[55] Zu diesem und dem weiteren angeblichen Zitat Srbe na vrbe (HĂ€ngt die Serben an die WeidenbĂ€ume!) sagte Budak:

„Es wird gesagt, ich hĂ€tte das erfunden und propagiert. Das ist jedoch eine alte österreichische Parole aus dem Ersten Weltkrieg, und nicht meine! Genauso ist es die Unwahrheit, das ich der Autor bin der Parole: Ein Drittel abschlachten, ein Drittel vertreiben!“cite-ref-56[56]

Wie viele Menschen diesem Völkermord zum Opfer fielen, ist bis heute umstritten. Die Angaben variieren von mehr als 300.000 bis zu 750.000 ermordeten Menschen, zumeist vertreten von kroatischen bzw. serbischen Historikern. In der westlichen Forschung wird die Zahl der Serben, welche den Ustascha zum Opfer fielen, auf 330.000 bis 390.000 geschĂ€tzt.cite-ref-57[57]cite-ref-58[58] Die Forschungen von Bogoljub Kočović (Ćœrtve Drugog svjetskog rata u Jugoslaviji. London 1985) und Vladimir Ćœerjavić (Gubitci stanovniĆĄtva Jugoslavije u drugom svjetskom ratu. Zagreb 1987) zur Zahl der Opfer des Zweiten Weltkrieges in Jugoslawien ergeben ĂŒbereinstimmend, dass ca. 290.000 der 1,9 Millionen Serben sowie die große Mehrheit der 30.000 bis 40.000 Juden und der 25.000 bis 40.000 Roma, die zu Kriegsbeginn auf dem Einflussgebiet der Ustascha lebten, ihr zum Opfer fielen, davon zwischen 60.000 und 100.000 im KZ Jasenovac. Beide Zahlenangaben sind derzeit in der Öffentlichkeit im Umlauf und werden von Dokumentationszentren zitiert. So gibt das Simon-Wiesenthal-Zentrum die Zahl der Menschen, die im KZ Jasenovac ermordet worden sind, mit etwa 85.000 an, das staatliche United States Holocaust Memorial Museum in Washington hingegen mit zwischen 77.000 und 97.000. Andererseits gibt das Simon-Wiesenthal-Zentrum die Gesamtopferzahl von ca. 600.000 Menschen unter der Ustascha an, wĂ€hrend das United States Holocaust Memorial Museum von ca. 400.000 spricht, wobei sich das Simon-Wiesenthal-Zentrum auf die Angaben des kommunistischen Jugoslawiens stĂŒtzt.cite-ref-59[59]

Muslime

Die Bosniaken (Bosnier mit hauptsĂ€chlich muslimischem Religionsbekenntnis) wurden von der Ustascha zu „Kroaten muslimischer Konfession“ erklĂ€rt und offiziell mit denjenigen katholischer Konfession gleichgestelltcite-ref-60[60] und ebenso wie die katholischen Kroaten zum Wehrdienst in der Armee herangezogen. Parallel dazu wurden unter deutscher Anleitung jedoch auch eigene aus Bosniaken bestehende Divisionen wie die 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“ aufgestellt.

Resonanz in Deutschland

Die Illustrirte Zeitung Leipzig 1941, 98. Jahrgang (2. Halbjahr) feierte in einer Schwerpunkt-Ausgabe die Machtergreifung der Ustascha mit deutscher Hilfe. Sie gibt eine ErklĂ€rung des Poglavnik (Pavelić) wieder:

„Der unabhĂ€ngige Staat Kroatien wird nach den GrundsĂ€tzen der Ustaschen-Bewegung aufgebaut. Ihre Prinzipien stehen in allen wichtigen nationalen und staatlichen Fragen in vollkommenem Einklang mit der nationalsozialistischen Ideologie, angewandt auf den sozialen Charakter der breiten kroatischen Volksschichten, besonders des kroatischen Bauerntums. Rasse, unbeschrĂ€nkte StaatsautoritĂ€t, gelenkte Wirtschaft zwecks grĂ¶ĂŸter Produktion, besonders der landwirtschaftlichen Erzeugung, soldatischer Geist im Sinne der traditionellen Eigenschaften des Volkes, die Arbeit als Grundlage jeden Wertes, Verantwortungsbewußtsein und PflichtgefĂŒhl jedes Einzelnen: das sind die Prinzipien, die im Ustaschen-Kroatien ĂŒberall zu regieren beginnen. Ein solches Kroatien tritt in die neue Ordnung ein, um ein wĂŒrdiger und nĂŒtzlicher Mitarbeiter des Großdeutschen Reiches unter dem FĂŒhrer Adolf Hitler im Krieg und Frieden zu sein.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Sieg der jugoslawischen Partisanen flohen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 zahlreiche Angehörige der Ustascha, darunter die FĂŒhrung um Ante Pavelić, ins Ausland. Dabei wurden viele Ustascha, welche sich wĂ€hrend des Krieges Verbrechen schuldig gemacht haben, bei ihrer Flucht von der kroatischen römisch-katholischen Kirche unterstĂŒtzt. Diese half ihnen unterzutauchen, schmuggelte sie aus dem Lande und unterstĂŒtzte durch die Nutzung der Verbindungen des Vatikans deren Flucht nach Spanien, SĂŒdamerika und auch einige arabische Staaten.cite-ref-61[61]

Unmittelbar nach Kriegsende ergaben sich kroatische Zivilisten, Reste der Ustascha und der regulĂ€ren Armee (Domobrani) sowie jugoslawische VerbĂ€nde, die der neuen Regierung ein Dorn im Auge waren, den Briten nahe Bleiburg (slowenisch Pliberk) in Österreich. Diese wurden jedoch an die Tito-Partisanen ausgeliefert. Unangefochtene Zahlen gibt es auch hier nicht. Der Großteil von ihnen wurde kurz nach der Gefangennahme erschossen, in monatelangen TodesmĂ€rschen oder in Lagern ermordet. Dieses und vergleichbares Vorgehen der Tito-Partisanen von anderen Orten aus wurde unter der Sammelbezeichnung Massaker von Bleiburg bekannt.

Der grĂ¶ĂŸte Teil der FĂŒhrung der Ustascha um Pavelić hatte sich jedoch schon zuvor von den eigenen Truppen abgesetzt. Über die so genannten Rattenlinien gelangten einige hundert Angehörige der Ustascha nach Italien und verschifften sich in Richtung Argentinien, USA, Kanada und Spanien. Pavelić selbst erreichte 1947 Argentinien und lebte bis kurz vor seinem Tod Ende der fĂŒnfziger Jahre in Buenos Aires, wo er als Sicherheitsberater des argentinischen Diktators Juan PerĂłn fungierte. Dort bildete er eine „Exilregierung“, die jedoch von keinem Staat anerkannt wurde. Aufgrund von persönlichen und politischen RivalitĂ€ten spaltete sie sich in mehrere Gruppierungen, die jeweils einen Alleinvertretungsanspruch fĂŒr sich erhoben.

Viele im Ausland lebende Ustascha-Angehörige wurden von serbischen militanten Gruppen durch Selbstjustiz und vom jugoslawischen Geheimdienst UDB-a Uprava drĆŸavne bezbednosti durch gezielte Liquidierungen getötet.cite-ref-62[62] Auch in Deutschland verĂŒbten Ustascha-nahe Exilkroaten und Exilserben sowie der UDB-a gegenseitig aneinander zahlreiche AnschlĂ€ge, die in den siebziger Jahren zu einiger Medienresonanz fĂŒhrten.cite-ref-63[63]

Ustascha-Renaissance wĂ€hrend der Tuđman-Ära

Ab 1990 erfuhr die Ustascha-Ideologie und -Symbolik unter Franjo Tuđman eine Rehabilitierung. Das Wiederaufkommen von Symbolen der faschistischen Ustascha-Zeit sowie deren öffentliche Zurschaustellungcite-ref-parlament-64-0[64] wurden gefördert.cite-ref-65[65]cite-ref-radonic-66-0[66] FrĂŒhere Ustascha wurden zurĂŒck ins Land geholt oder ihnen hohe politische Ämter angeboten. Kroatische MilitĂ€rrĂ€nge wurden nach den zuletzt in der NDH geltenden Bezeichnung und einzelne MilitĂ€reinheiten nach Ustascha-LegionĂ€ren benannt.cite-ref-radonic-66-1[66] Straßen wurden nach Ustascha-FunktionĂ€ren umbenannt und knapp 3000cite-ref-radonic-66-2[66] Mahn- und DenkmĂ€ler fĂŒr den antifaschistischen Kampf und die ermordeten Opfer beschĂ€digt oder zerstört. Kroatische FrontkĂ€mpfer und Kriegsfreiwillige schmĂŒckten sich in Dalmatien, Slawonien und Bosnien mit dem „U“-Zeichen, grĂŒĂŸten einander mit der Ustascha-Formel „Za dom spremni!“ (FĂŒr die Heimat bereit!) und sangen Ustascha-Lieder. Aus diesen Kreisen stammte auch Tuđmans scharfmachender Verteidigungsminister Gojko Ć uĆĄak. Im Jahr 1990 erklĂ€rte Tuđman auf dem ersten Parteitag seiner Regierungspartei HDZ, dass der faschistische Marionettenstaat von Pavelić auch ein „Ausdruck des Strebens des kroatischen Volkes nach UnabhĂ€ngigkeit und SouverĂ€nitĂ€t“ gewesen sei.cite-ref-67[67]

Die Angst vor einem neuen Ustascha-Regime wurde auf diese Weise unter der serbischen Minderheit in Kroatien bewusst geschĂŒrt und trug wesentlich zur Eskalation des Konflikts um das serbisch-kroatische Grenzgebiet Krajina bei. Ebenfalls wurde in den serbischen Medien die Angst vor einem neuen Ustascha-Regime bewusst fĂŒr Propagandazwecke genutzt, um die ethnischen Spannungen weiter anzuheizen.cite-ref-68[68]

Auch nach den Jugoslawienkriegen gab es immer wieder Skandale prominenter Kroaten, die öffentlich den Ustascha-Gruß oder Ustascha-Symbole zeigten.cite-ref-69[69] In den Stadien Kroatiens wird regelmĂ€ĂŸig der Ustascha-Gruß zelebriert.cite-ref-70[70]cite-ref-71[71] Zu einem Konzert der umstrittenen kroatischen Rockband Thompson in Zagreb erschienen Fans der Band teils in schwarzer Kleidung und anderen Symbolen der „Schwarzen Legion“ der Ustascha und skandieren dabei hĂ€ufig den Gruß.cite-ref-72[72] 2015 schlug der kroatische Erzbischof Ćœelimir Puljić ein Referendum fĂŒr die Legalisierung des Ustascha-Grußes innerhalb des MilitĂ€rs vor.cite-ref-73[73]

Literatur

Monographien

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‱ Martina Bitunjac: Verwicklung. Beteiligung. Unrecht. Frauen und die Ustaơa-Bewegung. Duncker & Humblot, Berlin 2018, ISBN 978-3-428-15338-1.
‱ Rob McCormick: Croatia Under Ante Pavelic. America, the Ustase and Croatian Genocide. I. B. Tauris, 2014.
‱ Alexander Korb: Im Schatten des Weltkriegs : Massengewalt der Ustaơa gegen Serben, Juden und Roma in Kroatien 1941–1945. Hamburger Edition, Hamburg 2013, ISBN 978-3-86854-259-2.
‱ Rory Yeomans: Visions of Annihilation. The Ustasha Regime and the Cultural Politics of Fascism, 1941–1945. Pitt Russian East European, 2013.
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‱ Petar PoĆŸar (Hrsg.): USTAĆ A : dokumenti o ustaĆĄkom pokretu (= Biblioteka Memoria. Band 1). Zagrebačka stvarnost, Zagreb 1995, ISBN 953-192-013-3 (Dokumentensammlung).
‱ Mario Jareb: UstaĆĄko-domobranski pokret : od nastanka do travnja 1941. godine. [Die Ustascha-Domombranen-Bewegung: von der GrĂŒndung bis zum April des Jahres 1941]. Ć kolska knjiga d.d., Zagreb 2006, ISBN 953-060817-9 (kroatisch).
‱ Fikreta Jelić-Butić: Prilog proučavanju djelatnosti ustaơa do 1941. In: Časopis za suvremenu povijest. Band 1, Nr. 1–2, 1969, S. 55–90 (kroatisch, srce.hr).
‱ Ladislaus Hory, Martin Broszat: Der kroatische Ustascha-Staat 1941–1945. 2. Auflage, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1965.

WeiterfĂŒhrende Literatur

‱ Slavko Goldstein: 1941 – Das Jahr, das nicht vergeht. Die Saat des Hasses auf dem Balkan. Frankfurt am Main/Berlin 2018, ISBN 978-3100025371.

Weblinks

‱ Karte der Konzentrationslager wĂ€hrend der deutschen Besetzung Jugoslawiens 1941–1945.cite-ref-74[74]
‱ United States Holocaust Museum: Zum Gedenken an die Opfer des Ustasa-Regimes (englisch)

Einzelnachweise

cite-note-11. Historische HintergrĂŒnde und Ursachen des Kroatienkrieges 1991 – 1995. Nationalismus, ethnischer Konflikt und nationale (Des-)Integrationsprozesse. Boris Katić, Wien 2012, S. 85.
cite-note-22. ↑ Bei der verbreiteten Behauptung, die GrĂŒndung sei am 10. Januar 1929 erfolgt, handelt es sich um eine PropagandalĂŒge der Ustascha. Siehe Fikreta Jelić-Butić: Prilog proučavanju djelatnosti ustaĆĄa do 1941. In: Časopis za suvremenu povijest. Band 1, Nr. 1–2, 1969, S. 55–90, hier 61 (kroatisch, srce.hr).
cite-note-33. ↑ Ante Pavelić: Eingabe an den Staatsanwalt beim Appellationsgericht in Aix-en-Provence. In: Volk und Reich. Heft 2 (Februar). Volk und Reich, Berlin 1936, S. 160.
cite-note-44. ↑ Edgar Hösch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen: Lexikon zur Geschichte SĂŒdosteuropas. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2004, ISBN 978-3-8252-8270-7, S. 719.
cite-note-55. ↑ Branimir Jelić: Političke uspomene i rad dra Branimir Jelića [Die politischen Erinnerungen und die Arbeit Dr. Branimir Jelićs]. Hrsg.: Jere Jareb, M. Ơamija. Cleveland 1982.
cite-note-66. ↑ Mark Biondich: Religion and Nation in Wartime Croatia : Reflections on the Ustaơa Policy of Forced Religious Conversions, 1941–1942. In: The Slavonic and East European Revue. Jg. 83, Nr. 1, 2005, S. 79.
cite-note-77. ↑ Holm Sundhaussen: UstaĆĄe. In: Lexikon zur Geschichte SĂŒdosteuropas. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 719.
cite-note-88. ↑ Marie-Janine Calic: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert. C.H.Beck, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-406-60645-8, S. 160.
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cite-note-1313. ↑ Ante Pavelić: Die kroatische Frage. Entstehung: 28. Oktober 1936. Privatdruck des Instituts fĂŒr Grenz- und Auslandstudien, Berlin 1941, S. 23.
cite-note-1414. ↑ Punkt 1 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung (1932). In: Emil Robert GĂ€rtner: Kroatien in SĂŒdslawien. Junker und DĂŒnnhaupt, Berlin 1944, S. 192. Zitiert nach: Za Dom: Kroatische Korrespondenz fĂŒr Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6–7. Zagreb 2. Juni 1941, S. 4 f.
cite-note-1515. ↑ Ante Pavelić: Die kroatische Frage. Entstehung: 28. Oktober 1936. Privatdruck des Instituts fĂŒr Grenz- und Auslandstudien, Berlin 1941, S. 22. (Entstehung: 28. Oktober 1936)
cite-note-1616. ↑ Punkt 2 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung (1932). In: Emil Robert GĂ€rtner: Kroatien in SĂŒdslawien. Junker und DĂŒnnhaupt Verlag, Berlin 1944, S. 192. Zitiert nach: Za Dom: Kroatische Korrespondenz fĂŒr Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6–7. Zagreb 2. Juni 1941, S. 4 f.
cite-note-1717. ↑ Ante Pavelić: Die kroatische Frage. Entstehung: 28. Oktober 1936. Privatdruck des Instituts fĂŒr Grenz- und Auslandstudien, Berlin 1941, S. 26 ff.
cite-note-1818. ↑ Punkt 3 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung (1932). In: Emil Robert GĂ€rtner: Kroatien in SĂŒdslawien. Junker und DĂŒnnhaupt Verlag, Berlin 1944, S. 193. Zitiert nach: Za Dom: Kroatische Korrespondenz fĂŒr Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6–7. Zagreb 2. Juni 1941, S. 4 f.
cite-note-1919. ↑ Ante Pavelić: Eingabe an den Staatsanwalt beim Appellationsgericht in Aix-en-Provence. In: Volk und Reich. Heft 2 (Februar). Volk und Reich, Berlin 1936, S. 161.
cite-note-2020. ↑ Punkt 5 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung (1932). In: Emil Robert GĂ€rtner: Kroatien in SĂŒdslawien. Junker und DĂŒnnhaupt Verlag, Berlin 1944, S. 193. Zitiert nach: Za Dom: Kroatische Korrespondenz fĂŒr Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6–7. Zagreb 2. Juni 1941, S. 4 f.
cite-note-2121. ↑ Adolf Dresler: Kroatien. 2. Auflage. Essener Verlagsanstalt, Essen 1944, S. 133.
cite-note-2222. ↑ Punkt 9 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung (1932). In: Emil Robert GĂ€rtner: Kroatien in SĂŒdslawien. Junker und DĂŒnnhaupt Verlag, Berlin 1944, S. 194. Zitiert nach: Za Dom: Kroatische Korrespondenz fĂŒr Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6–7. Zagreb 2. Juni 1941, S. 4 f.
cite-note-2323. ↑ Punkt 10 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung (1932). In: Emil Robert GĂ€rtner: Kroatien in SĂŒdslawien. Junker und DĂŒnnhaupt Verlag, Berlin 1944, S. 194–195. Zitiert nach: Za Dom: Kroatische Korrespondenz fĂŒr Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6–7. Zagreb 2. Juni 1941, S. 4 f.
cite-note-2424. ↑ Punkt 11 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung (1932). In: Emil Robert GĂ€rtner: Kroatien in SĂŒdslawien. Junker und DĂŒnnhaupt Verlag, Berlin 1944, S. 195. Zitiert nach: Za Dom: Kroatische Korrespondenz fĂŒr Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6-7. Zagreb 2. Juni 1941, S. 4 f.
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